Solaranlage lädt ungleichmäßig bei Teilbewölkung? Das ist im Kastenwagen völlig normal – aber manchmal auch ein Hinweis auf Optimierungspotenzial. Gerade bei wechselnder Bewölkung springen die Ladeanzeigen sichtbar rauf und runter. Mal kommen 8 Ampere rein, dann plötzlich nur noch 1–2 Ampere.
Das fühlt sich wie ein Fehler an, ist aber oft Physik. Teilverschattung und diffuse Strahlung verändern die Modulleistung innerhalb von Sekunden.
Hier schauen wir uns an, was normal ist – und wo du nachjustieren solltest.
Warum schwankt die Ladeleistung bei Teilbewölkung so stark?
Photovoltaikmodule reagieren direkt auf Lichtintensität. Wenn Wolken vorbeiziehen, ändert sich:
- Einstrahlungswinkel
- Lichtstärke
- Spektrale Zusammensetzung
- Zelltemperatur
Schon dünne Schleierwolken können die Leistung um 20–40 % reduzieren. Dichte Wolken sogar um 70–90 %.
Im Kastenwagen kommt hinzu: Das Dach ist klein. Ein einzelnes Modul reagiert stärker auf Teilverschattung als eine große Hausanlage.
Teilverschattung – der größte Einflussfaktor
Ein Klassiker: Dachhaube, Antenne oder Klimaanlage werfen einen Schatten auf einen Teil des Moduls.
Bei vielen Standardmodulen sind die Zellen in Reihen verschaltet. Wird nur ein kleiner Bereich verschattet, kann das die komplette Modulreihe beeinflussen.
Ergebnis:
- Plötzlicher Leistungseinbruch
- Unregelmäßige Amperewerte
- MPPT-Regler sucht ständig neuen Arbeitspunkt
Schon ein Schattenstreifen von 2–3 cm kann deutliche Auswirkungen haben.
MPPT-Regler arbeitet sichtbar
Bei Teilbewölkung sieht man oft, wie der Laderegler „arbeitet“. Die Anzeige springt, weil der MPPT-Regler ständig den optimalen Arbeitspunkt sucht.
Das ist kein Fehler – sondern ein Zeichen, dass der Regler aktiv optimiert.
Typisch sind:
- Kurze Leistungsspitzen
- Danach leichter Abfall
- Wiederanstieg bei Wolkenlücken
Solange Spannung und Strom grundsätzlich ankommen, ist das normal.
PWM oder MPPT – macht einen Unterschied
Wenn deine Solaranlage ungleichmäßig lädt, lohnt sich ein Blick auf den Regler.
PWM-Regler reagieren träger und nutzen diffuse Strahlung schlechter aus. MPPT-Regler holen bei wechselnden Bedingungen mehr Leistung heraus.
Gerade bei Teilbewölkung ist MPPT deutlich effizienter.
Modulverschaltung prüfen
Im Kastenwagen sind oft mehrere Module verbaut. Entscheidend ist, wie sie verschaltet sind:
- In Reihe
- Parallel
- Mischform
Reihenschaltung reagiert empfindlicher auf Teilverschattung. Wird ein Modul abgeschattet, sinkt die Gesamtleistung stärker.
Parallelschaltung ist toleranter – allerdings bei höheren Strömen.
Wenn du häufig unter Bäumen stehst, ist Parallelschaltung meist sinnvoller.
Bypass-Dioden – kleine Bauteile mit großer Wirkung
Gute Module besitzen Bypass-Dioden. Diese überbrücken verschattete Zellbereiche.
Fehlt eine Diode oder ist sie defekt, bricht die Leistung stärker ein als üblich.
Bei stark schwankender Leistung lohnt es sich, das Modul technisch prüfen zu lassen – vor allem wenn einzelne Zellbereiche regelmäßig verschattet werden.
Diffuses Licht – weniger Leistung, aber stabiler
Interessanterweise liefern Module bei leichter Bewölkung manchmal kurzfristig höhere Spitzen als bei klarer Sonne.
Warum? Wolken reflektieren zusätzlich Licht.
Aber im Durchschnitt sinkt die Leistung bei Teilbewölkung deutlich.
Wenn deine Solaranlage bei diffuser Helligkeit konstant 30–50 % ihrer Nennleistung bringt, ist das völlig im Rahmen.
Temperatur beeinflusst die Leistung
Kalte Module arbeiten effizienter als heiße. Bei Sommerhitze auf dem Kastenwagendach können 70 °C Zelltemperatur entstehen.
Das reduziert die Leistung um bis zu 15 %.
Teilbewölkung kühlt das Modul kurzzeitig ab – dadurch entstehen manchmal Leistungssprünge.
Batterie fast voll?
Wenn deine Aufbaubatterie bereits nahe 100 % ist, reduziert der Regler automatisch die Ladeleistung.
Das wirkt wie eine ungleichmäßige Ladung, ist aber normale Regelung.
Prüfe:
- Batteriestand
- Ladephase (Bulk, Absorption, Float)
In der Float-Phase sinkt der Ladestrom deutlich.
Kabel und Übergänge prüfen
Unregelmäßige Werte können auch durch Übergangswiderstände entstehen:
- Lockere MC4-Stecker
- Korrodierte Kontakte
- Zu dünne Kabel
Gerade bei Vibrationen im Kastenwagen kann sich etwas lösen.
Einmal jährlich kontrollieren lohnt sich.
Realistische Erwartungen an Modulgröße
Ein 150-Watt-Modul liefert bei optimaler Sonne vielleicht 8–9 Ampere bei 12 Volt System.
Bei Teilbewölkung sind 2–5 Ampere völlig normal.
Wenn du dauerhaft hohe Verbraucher betreibst (Kompressor-Kühlschrank, Standklimaanlage), reichen kleine Module oft nicht aus.
Schritt-für-Schritt-Check bei ungleichmäßiger Ladung
Wenn deine Solaranlage bei Teilbewölkung stark schwankt, prüfe:
Steht das Fahrzeug frei oder unter Bäumen? Wirft Dachaufbau Schatten? Ist ein MPPT-Regler verbaut? Sind Module parallel verschaltet? Ist die Batterie fast voll? Sind Steckverbindungen sauber und fest?
Erst wenn hier alles passt, sollte man an Defekte denken.
Wann ist es wirklich ein Problem?
Auffällig wird es, wenn:
- Leistung auch bei voller Sonne stark schwankt
- Modul heiß wird und kaum Strom liefert
- Regler Fehlermeldungen zeigt
- Ein Modul dauerhaft deutlich weniger liefert als das andere
Dann kann ein Defekt an Zelle oder Diode vorliegen.
Optimierung im Kastenwagen
Für stabilere Leistung bei wechselndem Wetter:
- Module möglichst schattenfrei montieren
- Dachaufbauten berücksichtigen
- MPPT-Regler einsetzen
- Parallelschaltung bei mehreren Modulen prüfen
- Modulfläche erhöhen
Gerade im Reisemobil zählt jeder Quadratmeter.
Häufige Fragen zur Solarleistung im Kastenwagen
Ist schwankende Ladeleistung bei Wolken normal?
Ja. Photovoltaik reagiert sofort auf Lichtveränderungen.
Warum springt die Anzeige ständig?
Der MPPT-Regler sucht permanent den optimalen Arbeitspunkt.
Liefert Solar bei Bewölkung überhaupt etwas?
Ja, oft 20–60 % der Nennleistung – je nach Wolkendichte.
Ist Reihenschaltung problematisch?
Bei Teilverschattung ja. Ein verschattetes Modul kann die Gesamtleistung reduzieren.
Muss ich mir Sorgen machen?
Nur wenn auch bei voller Sonne unplausible Werte auftreten.
Kann ein Modul defekt sein?
Ja, wenn einzelne Zellbereiche dauerhaft stark weniger Leistung bringen.
Hilft eine größere Anlage?
Ja, größere Modulfläche sorgt für mehr Reserven bei wechselnden Bedingungen.
Fazit
Solaranlage lädt ungleichmäßig bei Teilbewölkung – das ist im Kastenwagen meist völlig normal. Wolkenschatten, Teilverschattung und aktive MPPT-Regelung führen zu sichtbaren Schwankungen.
Erst wenn auch bei voller Sonne deutliche Leistungseinbrüche auftreten, sollte man Kabel, Module oder Regler prüfen. Mit schattenfreier Montage, guter Verschaltung und ausreichend Modulfläche lässt sich die Energieausbeute deutlich stabilisieren – selbst bei wechselhaftem Wetter unterwegs.